35 Jahre DNS: Interview mit Erfinder Paul Mockapetris

Das Domain Name System (kurz: DNS) feiert heute 35-jähriges Jubiläum. In vielen IT-basierten Netzwerken ist es noch immer der wichtigste Dienst: Es ist für die Beantwortung von Anfragen zur Namensauflösung zuständig. Wir haben den Erfinder Paul Mockapetris gefragt, wie alles begonnen hat.


1983 führten Paul Mockapetris und Jon Postel den ersten erfolgreichen Test des dezentralisierten und automatisierten DNS durch und legten damit den Grundstein für die extreme Ausweitung, Popularisierung und Kommerzialisierung des Internets, das wir heute kennen.
Das DNS basiert auf einer hierarchischen Organisationsstruktur. Ähnlich wie bei einer Telefonauskunft kennt der Benutzer die Domain, die er als Anfrage in die Browserleiste eingibt. Diese wird dann vom DNS in die zugehörige IP-Adresse umgewandelt.

Wie alles begann

Im Anfangsstadium noch bekannt unter dem Namen "ARPAnet" war das Internet damals ein geschlossenes Computernetzwerk. 1983 schlug Paul Mockapetris, Computerforscher am MIT, vor, das Netzwerk über die akademischen Grenzen hinaus für jedermann mit einem Computer und einem Modem zu öffnen. In den folgenden drei Jahren entwickelte der amerikanische Informatiker die Architektur des Domain Name Systems (DNS), mit dem das Prinzip eines von jedem Computer zugänglichen, verteilten und dynamischen Netzwerks etabliert wurde. Das DNS ist immer noch eine wichtige Säule des Internets. Es verwaltet die Korrespondenz zwischen Domains und IP-Adressen, so dass man sich nicht die IP-Adresse jeder Webseite merken muss.

InterNetX-Redakteur Simone Catania und DNS-Erfinder Paul Mockapetris

InterNetX-Redakteur Simone Catania und DNS-Erfinder Paul Mockapetris

Wer ist Paul Mockapetris?

Paul Mockapetris studierte Physik und Elektrotechnik am Massachusetts Institute of Technology. 1978 erfand er den ersten SMTP-Server für den E-Mail-Dienst am Information Sciences Institute (ISI) der University of Southern California. Am 23. Juni 1983 startete er zusammen mit Jon Postel den ersten Test des DNS: Ein System, das bis heute für die Verwaltung des Internets verwendet wird. In den folgenden Jahren war er Direktor des Programms der DARPA, Präsident der IETF und Bereichsleiter der ISI, bevor er sich der Welt der Startups zuwandte. Er ist heute Mitglied der Internet Hall of Fame, des ACMs, des IEEEs und der National Academy of Engineering.

InterNetX hat Paul Mockapetris kennengelernt und ihm ein paar Fragen über die Geschichte, den Betrieb und die Zukunft des DNS gestellt:

Welche Studien stehen hinter der Erfindung des DNS?

"Vor dem DNS gab es einige herstellerspezifische Namenssysteme wie das Xerox Naming System (XNS) des renommierten Palo Alto Research Centers, das DEC, die von ITU-T entwickelten X.500 ISO-Standards und andere Vorschläge wie beispielsweise IEN116. Für mein Projekt bei der Architecture Machine Group des MITs, jetzt Media Lab, orientierte ich mich an der Arbeit des Cambridge Scientific Centers von IBM und dem Distributed Computing System von Dave Farber der UC Irvine, statt an den fünf traditionellen Optionen. Das Design des DNS bricht dadurch mit den traditionellen Modellen."

Das DNS läuft seit 35 Jahren und wir setzen immer noch auf diese Technologie. Wann haben Sie erkannt, dass Ihre Erfindung die Geschichte der Kommunikation so lange beeinflussen wird?

"Es gab zwei Ereignisse, die mich am meisten beeindruckt haben. Beide geschahen um das Jahr 1986. Das erste war, als Leute anfingen Computer zu erstellen, die den Betrieb des DNS erforderten. Das zweite, als das DNS zunehmend für neue Zwecke ohne meine direkte Beteiligung benutzt wurde. Daneben gäbe es natürlich noch viele weitere Momente, an die man sich erinnern könnte – und die Liste wächst weiter."

Wie wird das Internet auf die wachsende Anzahl der Nutzer reagieren? Ist das DNS ein skalierbares System, das sich an die zukünftigen Herausforderungen anpassen kann?

"Eher werden uns die Nutzer ausgehen als die Kapazität des DNS – wir sind bereits bei mehr als 50%. Die eigentliche Herausforderung heute kommt vor allem von neuen digitalen Objekten wie dem Auto, der Heizung, der Beleuchtung, dem Handy etc. Ich glaube aber nicht, dass wir uns wirklichen Sorgen machen müssen – auch das werden wir lösen."

Gibt es eine Technologie, die das DNS beeinflussen könnte? Hat die Blockchain dieses Potenzial?

"Das Hinzufügen von Blockchain zum DNS könnte eine Möglichkeit sein, um verschiedene Kollaborationswege für Organisationen in die Wege zu leiten. Ich habe bereits vor vier Jahren dahingehend meinen Vorschlag gemacht, aber vielleicht war das noch zu früh. Neue Versuche sind im Gange."

Welche Kriterien definieren einen guten DNS-Anbieter?

"Benutzerfreundlichkeit, Sicherheit und Zuverlässigkeit: Ein guter DNS-Anbieter sollte nicht nur DNS-Daten veröffentlichen und Zugang zu den Daten anderer Personen gewähren, sondern auch vor Kriminellen schützen, die versuchen das DNS auszunutzen, um anderen zu schaden."

Ohne das DNS wäre das Internet vielleicht nicht so rasant gewachsen oder so groß geworden wie es heute ist. Der große Domain- und vor allem .COM-Boom wäre wohl ausgeblieben. 


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