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Chinas Hunger nach Domains

Käufer aus dem Reich der Mitte investieren im großen Stil in Internetadressen. Kritiker fürchten eine Blase, die dem Markt schaden könnte. Wirkliche Gefahr für den Domain-Namensraum besteht aber nicht.


Drei Domains haben ihren jeweiligen Besitzern 2015 viel Geld eingebracht: give.com, heika.com und same.com sind für 500.000, 300.000 bzw. 233.333 US-Dollar auf der Handelsplattform Sedo verkauft worden – und waren damit die teuersten Verkäufe der Domain-Börse im vergangenen Jahr. Das geht aus einer Mitteilung hervor, die der Dienstleister Anfang des Jahres bekannt gab. Besondere Aufmerksamkeit gilt seit dem vergangenen Jahr aber China: Die Volksrepublik hat sich 2015 zu einem der stärksten Aufsteiger auf dem Domain-Markt entwickelt. Das Fachblog DomainNameWire berichtete während der NamesCon 2016, dass chinesische Käufer bei new gTLD-Registrys für teilweise mehr als die Hälfte des Absatzes sorgen. Schon im vergangenen Jahr hatte Sedo ein gestiegenes Interesse an Domain-Namen aus dem Reich der Mitte ermittelt. .club-Chef Colin Campbell twitterte Ende 2015, es sei ein "Run" auf .club-Domains ausgebrochen. Besonderes Interesse gelte Ziffern-Domains.

Wachsender E-Commerce befeuert Domain-Käufe

Das Wirtschaftsnachrichten-Portal Quartz geht davon aus, dass 75 Prozent aller kurzen Domain-Namen nach China verkauft wurden – und beruft sich dabei unter anderem auf Zahlen des Branchen-Blogs DN Journal. Als eine der Ursachen für das plötzliche Interesse macht Quartz den stark wachsenden E-Commerce im Reich der Mitte aus. Die Hoffnung der Investoren ist, die Domains nach kurzer Zeit mit hoher Gewinnsteigerung an ein Unternehmen abzustoßen. Die Käufer hätten dabei eine klare Vorstellung, in welche Adressen sie ihr Geld stecken möchten: Zwei- bis vierstellige Domains, die weder ein 0 oder 4 enthalten, da die Null zu leicht mit dem Buchstaben "O" verwechselt werden könne und die Aussprache des englischen Worts "four" im chinesischen wie "Tod" klinge. Inzwischen gibt es Spekulationen, dass der letzte Rekordverkauf von Domain King Rick Schwartz an einen chinesischen Käufer ging. Schwartz hatte im Februar 2015 die Adresse porno.com für 8.888.888,- US-Dollar verkauft. Die Ziffer "8" soll in China für Geld und Vermögen stehen. Bisher hieß es, die Domain sei an eine Firma aus Prag gegangen. Nach den starken Schwankungen auf dem chinesischen Aktienmarkt befürchten Beobachter jetzt, dass sich im Domain-Business, befeuert durch chinesisches Geld, eine neue Blase bildet. In der Vergangenheit hatten wilde Spekulationen erst den chinesischen Immobilienmarkt und danach die Börse erschüttert. Kurzfristig könnte der Kaufrausch auch die Domain-Preise in die Höhe treiben und zusätzlich explodierende Zahlen bei den Creates verursachen. Spätestens im nächsten Jahr, wenn die erste Renew-Runde ansteht, könnte sich die Situation schon von selbst wieder beruhigen. Langfristig besteht für den Domain-Namensraum aber kein Grund zur Besorgnis. Unter etablierten TLDs wie .com oder .net sind kurze Adressen kaum noch zu finden. Auch wenn die Preise kurzfristig schwanken, wird der Bedarf an Domains kaum sinken.

.cn überholt .de

Selbst auf dem Markt der ccTLDs hat China im vergangenen Jahr kräftig zugelegt. Nach Angaben des China Internet Network Information Centers (CNNIC) waren zum Jahresende 16,36 Millionen .cn-Domains vergeben. Damit löst die chinesische TLD die deutsche Endung .de als verbreitetste Länderdomain weltweit ab. Die deutsche Vergabestelle DENIC meldete für den 1. Januar 2016 exakt 16.009.814 registrierte .de-Adressen. Doch auch das ist noch kein Grund zur Beunruhigung: Schon 2008 hatte .cn die deutsche TLD überholt. Kurz darauf verschärfte die chinesische Registrierungsstelle die Registrierungsbedingungen und die Zahl fiel steil nach unten ab. Immerhin gibt es auch gute Neuigkeiten für den deutschen Domain-Markt: Dank der zusammengesetzten Nomen im Deutschen dominieren Adressen mit der Endung .de die Top 5 der längsten Domain-Namen 2015. Mit einem Kaufpreis von 7.500 Euro war haftpflichtversicherungvergleich.de sogar die teuerste Domain in dieser Gruppe. Den Rekord für die längste – und vermutlich auch – kuriosesten Domain hält aber mit 63 Zeichen eine new gTLD: xyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyzxyz.xyz wechselte  2015 den Besitzer. Für immerhin 140,- US-Dollar.

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