Homeoffice: Produktivitätsbremse oder besser als Großraumbüro?

Mit dem Arbeiten von Zuhause verbinden viele Flexibilität, eine bessere Work-Life-Balance und produktiveres Arbeiten. Aber stimmt das denn eigentlich oder kann das Arbeiten in den eigenen vier Wänden sich auch negativ auf die eigene Verfassung auswirken?


Die Arbeit im Homeoffice ist schon fast zum Standard geworden. Laut einer Bitkom-Studie bot schon im vergangenen Jahr jedes dritte Unternehmen in Deutschland Homeoffice an und der Trend soll sich weiter fortsetzen. „Viele Jobs können dank digitaler Technologien zu jeder Zeit und von jedem Ort aus erledigt werden“, so der Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Weiterhin sagt er, dass „nach anfänglicher Zurückhaltung Homeoffice bei vielen deutschen Unternehmen zum Alltag wird. Aber die Erfahrungen zeigen auch, dass dieses Modell nicht in jedem Fall geeignet ist.“ Der direkte Kollegenaustausch ist im Homeoffice bspw. nicht möglich – aber geht es auch ohne?

Homeoffice: Stressminimiertes Arbeiten

Die zeitintensive Pendelei im Berufsverkehr, unangenehm volle Busse und Züge, die lästige Parkplatzsuche am Morgen und die immerzu lauten Kollegen, neben denen man sich im Großraumbüro ohnehin nicht konzentrieren kann. Außerdem spart man Geld für Benzin oder den öffentlichen Nahverkehr und damit natürlich wertvolle Ressourcen! Das Homeoffice bietet gerade für Arbeitnehmer viele Vorteile und ermöglicht in vielen Fällen einen stressfreien Arbeitsalltag.
Und natürlich klingt es wie ein Traum, sich morgens nicht für die Arbeit herrichten zu müssen, sondern die Mails einfach im Pyjama von der Couch aus zu checken. Doch das Homeoffice hat auch seine Schattenseiten.

Infografik: Home Office in Deutschland | Statista Quelle: Statista

The Downside

Das Homeoffice hat aber leider auch seine Schattenseiten und einige Experten befürchten sogar, dass es krank machen kann. Aus diesen Gründen ist Homeoffice vielleicht nicht so toll, wie der Volksmund es behauptet: 

  1. Minimierter Informationsaustausch
    Der Informationsaustausch im Arbeits-Chat oder per E-Mail funktioniert – das ist dann aber auch schon alles. Denn ein Großteil der Kommunikation findet eigentlich auf der nonverbalen Ebene statt und die ist sowohl in Chatrooms als auch per E-Mail nicht umsetzbar. Reaktionen in Mimik und Gestik auf fertiggestellte Arbeiten, Hilfe bei Projekten oder der Ideensammlung in Meetings können nicht wahrgenommen werden, könnten aber für die eigene Arbeit von großer Bedeutung sein. Das gilt auch für die Kommunikation mit dem Chef und kann sich deshalb negativ auf die Karriere auswirken.

  2. Workaholic-Mutation
    Privates und Geschäftliches vermischen sich im Homeoffice gern. Auch wenn man eigentlich schon im Feierabend ist, checkt man seine Mails oder macht „schnell noch etwas fertig“. Schließlich muss man ja keine Rücksicht auf den Feierabendverkehr nehmen oder noch vor Ladenschluss in den Supermarkt springen – da war man ja schon in der Kaffeepause. Forscher an der Uni Basel haben herausgefunden, dass Heimarbeiter 2,5 Stunden pro Woche mehr arbeiten als die Kollegen im Büro.

  3. Soziale Isolierung
    Klar nerven die Kollegen manchmal und man hätte lieber seine Ruhe. Trotzdem ist sozialer Austausch wichtig – sowohl privat, als auch im Berufsleben – um die Arbeit effizient und vor allem auch mit Spaß erledigen zu können. Soziale Rituale, die einen zum netten Kollegen machen und gepflegt in der Arbeit erscheinen lassen, fallen weg. Die Jogginghose bleibt rund um die Uhr an und wenn nicht gerade noch der Lebensmitteleinkauf ansteht, bleibt man eben den ganzen Tag auf dem Sofa – ohne auch nur einen anderen Menschen gesehen zu haben. Klingt erstmal ganz entspannt, auf Dauer kann das aber ziemlich einsam werden.

  4. Konzentrationsprobleme
    Einer Stanford-Studie zufolge steigt die Produktivität im Homeoffice um bis zu 13 %. Mitarbeiter melden sich seltener krank, arbeiten konzentrierter und lange Mittagspausen mit den Kollegen entfallen auch. Aber das ist natürlich nicht der Regelfall. Die Kollegen beim Smalltalk und das immer klingelnde Telefon werden Sie hier zwar nicht ablenken, doch was ist mit dem ungeputzten Bad, dem Paketboten mit der letzten Online-Bestellung oder dem Anruf der Mutter? In den eigenen vier Wänden kann es noch viel mehr Dinge geben, die vom Workflow ablenken.

  5. Einzelkämpfer
    Den Teamspirit, der bei neuen Projekten und in Meetings aufkommt, können Sie von Zuhause aus nicht spüren. Aufgaben werden allein erledigt, Brainstorming oder der persönliche Austausch über Ideen fällt flach. Das kann die eigene Arbeitsmotivation eindämmen und mit den eigenen Projekten ist man häufig auf sich allein gestellt.

Dass der Chef einem nicht ständig in den Bildschirm schaut, um zu überprüfen, an was gerade gearbeitet wird, kann entspannend sein. Sofern aber Tagesziele vereinbart werden, entsteht für den Arbeitnehmer Druck: Die Ergebnisse müssen geliefert werden. Und dieser Druck kann sich sowohl auf die psychische, als auch auf die physische Gesundheit der Arbeitnehmer auswirken.



Online-Office: Wenn die E-Mail-Kommunikation die Produktivität hemmt

Das Homeoffice ist nicht in jedem Fall einfacher und bequemer: Vor allem die Kommunikation wird erschwert. Beat Bühlmann, der General Manager bei der Softwarefirma Evernote, sprach im Rahmen eines Vortrags auf der HR-Konferenz „Hiring Success“ über das Thema. Bei Unstimmigkeiten und Problemen verschickten die Kollegen im Homeoffice seiner Erfahrung nach lediglich eine E-Mail. Aber nicht jeder Kollege, ob im Büro oder Zuhause, bearbeitet sein digitales Postfach regelmäßig und so gehen dringliche Angelegenheiten im überfüllten Posteingang gerne mal verloren.
Bühlmann vergleicht die Situation mit einem brennenden Haus: Da versende man ja auch keine E-Mail an die Feuerwehr, wenn es brennen würde.

Die Lösung: Eine gesunde Mischung aus Homeoffice und Büro

Für viele Selbstständige und Freelancer ist es ganz normal den gesamten Berufsalltag von Zuhause aus zu gestalten. Einfach ist das aber nicht und sollte in jedem Fall gut strukturiert werden. Eine gute Lösung liegt wahrscheinlich in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Arbeit von Zuhause und Arbeit im Büro. So kann man sich zumindest an ein paar Tagen in der Woche persönlich mit den Kollegen austauschen und ist im Büro präsent, andererseits kann man auch die Vorzüge des Homeoffice genießen. Immer mehr Arbeitgeber stellen sich auf flexiblere Lösungen ein, um gut ausgebildete Fachkräfte rekrutieren zu können. Arbeitnehmer sollten sich die Vor- und Nachteile vor Augen führen und abwägen, welches Modell individuell für sie infrage kommt.


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