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Neuer Streit um Nutzerdaten

Eine Arbeitsgruppe der ICANN schlägt vor, ausführliche Informationen über Domain-Kunden in einer globalen Datenbank zusammenzuführen. Kritiker sprechen von einem "rechtspolitischen Albtraum".


Der Streit um die Erfassung von Whois-Daten geht in eine neue Runde: Einem Bericht von heise online zufolge hat eine Expertengruppe (EWG) beim 47. ICANN-Meeting in Durban vorgeschlagen, eine zentrale Datenbank mit allen Registrierungs-Informationen eines Domain-Nutzers einzurichten.

Das neue Aggregated Registry Data System (ARDS) soll die Informationen aller Registrys erfassen und zahlreiche Einzeldaten der Nutzer abbilden. Je nach Anliegen erhalten die anfragenden Stellen mehr oder weniger Einblick in die Daten. Die Expertengruppe schlägt vor, das System in einem datenschutzfreundlichen Land anzulegen.

Der Vorschlag ist ein weiterer Vorstoß zur Erfassung und Speicherung von Nutzerdaten. Schon in den neuen Richtlinien für Registrare, die Anfang des Monats offiziell verabschiedet wurden, hat die ICANN festgelegt, dass Registrare künftig die Daten ihrer Kunden überprüfen und speichern sollen. Die Registrare sind außerdem dafür verantwortlich, dass auch ihre Reseller die Vorgaben umsetzen und müssen einen Kontakt bereitstellen, an den Verstöße gemeldet werden können.

Die Idee stößt vor allem bei europäischen Registries auf wenig Gegenliebe. Aber auch mehrere Regierungsvertreter haben Bedenken geäußert. Ein Abgeordneter aus Uruguay nannte das Vorhaben heise online gegenüber einen "rechtspolitischen Albtraum".

Im Streit um korrekte Whois-Daten stehen sich seit Jahren die Forderungen von Strafverfolgungsbehörden und die Bedenken von Datenschützern gegenüber. Die Ermittler fordern unbeschränkten Zugriff  auf die Informationen. Dadurch sollen Urheber- und Markenrechtsverletzungen leichter aufgeklärt werden. Die Umsetzung kollidiert aber in vielen Ländern mit dem Datenschutzrecht.

Selbst die Arbeitsgruppe scheint mit der Lösung nicht vollständig zufrieden zu sein. In dem Entwurf zum ARDS ist von "potenziellen Nachteilen" die Rede – die EWG nennt konkret den möglichen Missbrauch der Daten oder die Gefahren durch einen externen Angriff. Die Gruppe will aber auch zahlreiche Vorteile ausgemacht haben, die unter dem Strich stärker ins Gewicht fielen, als die möglichen Risiken. Die EWG verspricht sich unter anderem Kosteneinsparungen und eine leichtere Handhabe bei der Klärung von Vertrags- und Rechtsfragen.

Ob die Datenbank tatsächlich umgesetzt wird, ist zurzeit noch unklar. Der Vorschlag muss zuerst die üblichen Verfahren innerhalb der ICANN durchlaufen, ehe endgültig über ihn entschieden wird.

Der Weg der Daten - so soll das ARDS funktionieren:


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