03.04.2017

nTLDs stellen den Markenrechtsschutz vor neue Aufgaben

Wie Sie Ihre Marke vor Produktpiraterie schützen.


Wie beinahe immer im Leben gibt es eine Kehrseite der Medaille. So ist es auch bei den neuen Top-Level-Domains, die seit dem 23. Oktober 2013 sukzessive auf den Markt gebracht werden. Der Grund für die Erweiterung des Portfolios der TLDs war der immer kleiner werdende Bestand an knappen, einschlägigen länderspezifischen und generischen Domains. In den Jahren 2000 und 2004 reagierte ICANN darauf mit einer Ergänzung des gTLD-Portfolios um Domainendungen wie .JOBS, .MOBIL und .INFO. Aufgrund der großen Nachfrage beschloss ICANN 2008 weitere nTLDs freizugeben. Mittlerweile sind 1.216 neue Domainendungen verfügbar und es wurden bereits 27,71 Millionen Registrierungen vorgenommen. Für Unternehmen bedeutet dies, dass sie ihre Onlinestrategie an die veränderten Marktbedingungen anpassen müssen.

Chancen der neuen Domainendungen

Die neuen Domainendungen bieten Chancen, aber auch Risiken. Unbestreitbar ist, dass die neuen TLDs den Weg zur gesuchten Domain erleichtern. Verfügt ein Unternehmen oder eine Marke über Domains mit verschiedenen TLDs so erhöht sich die Trefferquote in den Suchmaschinen. Ist die Domain besonders einschlägig oder sogar Teil einer ganzen Marketingkampagne, so werden die Domainnamen häufig direkt in den Internetbrowser eingegeben und man gewinnt sogar noch an Unabhängigkeit von Google und Co. Auch eine Spezifizierung des Unternehmens oder der Domaininhalte anhand der TLD beeinflusst die User Experience positiv, da die Nutzer noch zielgerichteter angesprochen werden – denkbar ist hier eine Branchenspezifizierung durch TLDs wie beispielsweise .TECH, .GAME oder .BANK, aber auch eine inhaltliche Kategorisierung des Onlineauftritts eines Unternehmens oder einer Marke durch Domainendungen wie .SHOP, .BLOG oder .NEWS ist lohnenswert.

Risiken der neuen Domainendungen

Die nTLDs bringen bedauerlicherweise auch unangenehme Überraschungen mit sich wie das Cyber- oder Dotsquatting: Beim Cybersquatting handelt es sich um die Registrierung von Domains geschützter Marken oder Namen, die anschließend zu überteuerten Preisen an die jeweiligen Unternehmen und Markenrechtsinhaber weiterverkauft werden. Geht das Unternehmen oder der Markenrechtsinhaber auf das Angebot nicht ein, so werden häufig imageschädliche Inhalte auf den Domains publiziert, die letztlich dazu führen, dass die Markenrechtsinhaber und Unternehmen zum Schutz ihrer Reputation auf die dubiosen Angebote einzugehen gezwungen sind. Beim Dotsquatting werden Markennamen ohne Punkt zwischen der Subdomain (www) und dem eigentlichen Domainnamen, der second-level-Domain, registriert. Die Vorgehensweise der Registranten gleicht derjenigen, die beim Cybersquatting bereits angewendet wird. Die Rechtsverfolgung ist beim Cyber- und Dotsquatting problematisch, insbesondere dann, wenn sich eine gleichlautende Marke in einem anderen Land und in einer anderen Produktklasse bewegt.

Wie man seine Marke schützen kann

Die Unternehmen und Markenrechtsinhaber sehen sich also mit der diffizilen Aufgabe konfrontiert den Domain-Markt stets im Blick zu haben. Präventive Maßnahmen zum Schutz des eigenen Unternehmens oder der eigenen Marke sind tatsächlich notwendiger geworden denn je. Nichtsdestotrotz ist es der falsche Weg sich wahllos Domains zu sichern, die möglicherweise Assoziationen zum eigenen Unternehmen oder der eigenen Marke erlauben. Die Schutzmaßnahmen sollten gezielter erfolgen. Dafür gibt es bereits automatisierte Online-Lösungen, die dabei behilflich sein können:

Trademark Clearinghouse

Trademark Clearinghouse

ICANN kommt Markenrechtsinhabern mit der sogenannten Trademark Clearinghouse (TMCH) entgegen. In das TMCH können Unternehmen ihre Marke eintragen und profitieren dann von der „Sunrise-Phase“ bei der Einführung einer neuen gTLD. Während diesem mindestens 30 Tage andauernden Zeitraum dürfen eingetragene Markenrechtsinhaber vor allen anderen Interessenten ihre Wunschdomain registrieren. Die Wahrscheinlichkeit sich seine Wunschdomain sichern zu können, ist durch das Vorregistrierungsrecht entsprechend hoch.

Trademark Claims Service

Ebenfalls hilfreich ist der Trademark Claims Service von ICANN. Dieser informiert Interessenten einer bestimmten Domain während des Registrierungsprozesses darüber, dass möglicherweise die Rechte eines Markenrechtsinhabers verletzt werden könnten. Der Trademark Claims Service wird besonders in der Early Access Phase aktiv. In diesem meist 90 Tage andauernden Zeitraum ist die Gefahr einer Markenrechtsverletzung besonders hoch. Nachdem eine automatisch generierte Warnung an den Interessenten gesendet wurde, kann dieser von seiner Registrierung zurücktreten. Möchte der Interessent seine Registrierung trotz des Warnhinweises durchführen, so wird der Markenrechtsinhaber über die Registrierung in Kenntnis gesetzt und kann anschließend abwägen, gegen den Registranten juristisch vorzugehen.

Trademark Clearinghouse Agent

Der komfortabelste Weg Markenrechtsschutz zu betreiben, besteht in der Inanspruchnahme der Leistungen des TMCH Agenten. Dieser bietet verschiedene Servicedienste an, die den Schutz der eigenen Markenrechte erleichtern, leistet aber auch Unterstützung bei der Strategieplanung. So wird der User beispielsweise bereits bei der Dateneingabe in das Webinterface des TMCH Agenten darüber informiert, ob ein proof-of-use nötig ist; zudem sind Vorregistrierungen möglich und die Markeneintragungen werden nach dem Ende ihrer Laufzeit automatisch verlängert.

Ob man die Aufgabe des Markenschutzes selbst übernehmen möchte oder sich für einen externen Dienstleister entscheidet, bleibt jedem selbst überlassen. Entscheidend ist nur, dass man den Schutz seiner Marke in Zeiten vielfältiger Gefährdungen durch Markenpiraterie nicht dem Zufall überlässt!


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