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Partein im Social-Media-Check: Piraten siegen im digitalen Wahlkampf

Kurz vor der Bundestagswahl tobt auch in den Sozialen Netzwerken der Kampf um die Stimmen. Die etablierten Parteien haben in den vergangenen Jahren den Umgang mit dem Netz gelernt ? würden die Social-Media-Aktivitäten die Wahl entscheiden, hätte aber eine Außenseiter-Partei eine deutliche Mehrheit.


Am Sonntag haben die Bundesbürger die Wahl: Wer soll in den nächsten vier Jahren das Land regieren? In den vergangenen Wochen haben sich die Parteien einen erbitterten Kampf um die Wählerstimmen geliefert: Auf der Straße, an Infoständen, in Zeitungen, Fernseh- und Radiosendungen und auch in den Sozialen Netzen verbreiten die Parteien ihre politischen Botschaften.

2008 revolutionierte Barack Obama bei seiner ersten Präsidentschaftskandidatur in den USA den Wahlkampf: Obama nutze alle digitalen Kanäle für seine Botschaften und sammelte so mehr als 750 Millionen Spendengelder ? ein Rekord in den USA. Das Geheimnis von Obamas Netz-Kampagnen ist so etwas wie der Heilige Gral der Politik: In ihm, so scheint es, liegt der Schlüssel für einen sicheren Wahlsieg.

Seit Obamas erstem Wahlsieg sind fünf Jahre vergangen. Soziale Netzwerke sind aber auch im Jahr 2013 noch immer #Neuland für einige Parteien. Zwar haben die Facebook- und Twitter-Profile der großen Parteien inzwischen Zehntausende Fans und Follower, die Interaktion mit den Nutzern gleicht aber oft noch einer Einbahnstraße. Die Partei postet einen Beitrag und lässt die Nutzer kommentieren. Reaktionen auf die Beiträge bleiben oft aus.

Am diskussionsfreudigsten zeigen sich die Piraten. Die Partei ist ? wenig überraschend ? die aktivste im Social Web*. Mit 85.221 Facebook-Fans und 119.941 Followern auf Twitter hängen die Piraten allein mit den Nutzerzahlen die etablierten Parteien ab. Auch in der Nutzung gehen die Piraten gezielter auf den jeweiligen Kanal ein: Facebook für Content, Twitter für die direkte Kommunikation.

Besonders deutlich wird das in einer Konversation mit einem unentschlossenen Wähler: Am 13. September schreibt der Nutzer: "Bin Wechselwähler. Überzeugt mich! (nicht @fdp_de!). @cducsubt @spdde @Piratenpartei @DiePARTEI_News @dieLinke @Die_Gruenen Haut rein!" Die Piraten sind die ersten ? und einzigen ? die auf den Tweet reagieren, obwohl der Nutzer die übrigen Parteien im weiteren Gespräch immer wieder markiert. Zwischen der Partei und dem Wähler entsteht eine rege Konversation, in deren Verlauf die Piraten gezielt Punkte aus ihrem Parteiprogramm präsentieren können. Ob es den Nutzer überzeugt hat, lässt er allerdings offen. "Schaun mer mal. :-p", ist der letzte Tweet der Unterhaltung.

Die übrigen Parteien beschränken sich meistens darauf, dieselben Inhalte auf allen Kanälen zu verteilen. In der separaten Nutzung der einzelnen Kanäle sind den Piraten die Grünen noch am nächsten. Dank seiner starken Twitter-Aktivität erreicht das Bündnis90 insgesamt sogar die drittmeisten Plätze im "Social-Media-Bundestag". Die zweitstärkste Fraktion bilden die Unionsparteien: Gemeinsam kommen CDU und CSU auf 64.598 Facebook-Fans und 46.599 Follower auf Twitter. Damit liegen sie auf Facebook knapp vor der SPD und den Grünen. Auf Twitter schaffen sie es aber auch gemeinsam nicht, dem Bündnis90 den Rang abzulaufen.

Die SPD geht im Vergleich etwas unter: Zwar zieht die Partei vor allem auf Facebook in den absoluten Interaktionszahlen an allen anderen vorbei ? in Relation zu ihren Fans gesehen, sacken die Sozialdemokraten aber wieder ab. Die im Verhältnis zu Facebook relativ schwache Twitter-Nutzung treibt die Werte der Partei weiter in den Keller. Absolut abgeschlagen ist allerdings die Linke: Während sie auf Facebook immerhin noch halbwegs Schritt halten kann, geht die Partei auf Twitter gnadenlos unter.

Dass die deutschen Parteien auch fünf Jahre nach Barack Obamas Siegeszug noch nicht endgültig in die Tiefen des Netzes vorgedrungen sind, zeigte vor Kurzem auch das Beispiel der Domain angelamerkel.de. Die CDU hatte offenbar versäumt, sich die Adresse als Schutz der offiziellen Domain angela-merkel.de zu sichern. Mitte August legte der Inhaber der Adresse eine Umleitung an ? zur Wahlkampfseite der SPD.

Ob es den deutschen Parteien gelingt, die wichtigste Lehre aus der Strategie des amerikanischen Präsidenten umzusetzen, wird sich indes erst noch zeigen: Auch nach seinem Wahlsieg blieb Obama aktiv und pflegte seine digitalen Kontakte aus dem Wahlkampf weiter. 2012 wurde er wiedergewählt.

*Über die Erhebung: Beobachtet wurden die offiziellen Facebook- und Twitter-Profile der Parteien im Zeitraum vom 9. bis 17. September 2013. Berücksichtigt wurden nur eigene Post/Tweets der jeweiligen Partei. Die Verteilung der "Sitze" ergibt sich aus dem Verhältnis der Fans/Follower und den Beiträgen zu den jeweiligen Interaktionsraten.


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