Rhetorik im Berufsalltag I Snapshot #7

„Reden“ ist manchmal gar nicht so leicht. Gerade, wenn es um etwas vermeintlich wichtiges geht, wie die Gehaltsverhandlung mit dem Chef oder um einen Vortrag auf dem Podium vor hunderten Zuhörern. Dass eine bestimmte Situation gemessen am ganzen Leben aber vielleicht von nicht allzu großer Bedeutung ist, rufen wir uns dabei viel zu selten in Erinnerung. Was Sie tun können, damit das Lampenfieber keine Überhand nimmt und welche Tipps und Tricks gegen die zittrige Stimme helfen, erfahren Sie hier.


Um die grauen Zellen in Bezug auf Rhetorik und die Kunst der Rede ein bisschen aufzufrischen, haben wir diese zum Thema der neuesten Folge des InterNetX Podcasts gemacht. Dazu war Anne Rosenberger, Sprecherzieherin an der Universität Regensburg und M.A. Speech Communication and Rhetoric war bei uns zu Gast. 

Kommunikation ist nie nicht vorhanden

“Man kann nicht nicht kommunizieren” - ein Satz, den man in den meisten Seminaren rund um Kommunikation und Rhetorik zu hören bekommt. Eigentlich logisch: Selbst wenn ich mich zu einem Thema nicht verbal äußere, in eine Diskussion nicht direkt mit einsteige und stillschweige, trage ich etwas zur Kommunikation bei. Ich teile vielleicht mit, dass mich das Thema nicht interessiert oder dass ich nichts dazu zu sagen habe. Auf alle Fälle aber teile ich etwas mit.
Damit ich aber das kommuniziere, was ich auch tatsächlich vermitteln will, muss ich darauf achten, wie ich von außen wahrgenommen werde. Und das ist manchmal gar nicht so einfach!

Wahrnehmung schärfen

Aber wie teile ich nun meinen Gesprächspartnern mit, was ich ihnen tatsächlich mitteilen will? Nehmen die Teilnehmer der Kommunikationsrunde überhaupt das wahr, was ich ausdrücken will?
Dabei geht es nicht unbedingt um sprachliche Geschicklichkeit, tolle Formulierungen und einprägsame, geschickt gewählte Worte. Viel wichtiger ist das Eingehen auf den Gesprächspartner. Zuhören und interagieren - viel wichtiger noch als gewählte Worte.

Vom Sprechen und Hören

In unserer schnelllebigen Gesellschaft ist die unmittelbare Kommunikation scheinbar zum Normalzustand geworden. Jeder will schnell auf den Punkt kommen, seine Argumente vorbringen und seine Ziele erreichen. Dass man dafür aber erst genau hinhören sollte und man viel schneller zum eigenen Ziel gelangen kann, wenn man seinem Gegenüber zuhört, dessen Sicht der Dinge verstehen lernt und man schließlich darauf im Gespräch eingehen kann, ist das wertigere Mittel. An dieser Stelle sollten aber drei Arten des Hörens unterschieden werden:

  • Hören 
    Der Hörende richtet seine Aufmerksamkeit auf seine Umgebung, nimmt aber keine Inhalte wahr. Er ist darauf fokussiert, dass er selbst zu Wort kommt, um seine Inhalte zu vermitteln. Er ist also mehr mit sich selbst beschäftigt als mit seinem Gegenüber.
  • Hinhören 
    Der Hörende nimmt zwar auf, was sein Gesprächspartner sagt, ist aber nicht bemüht, herauszufinden, was sein Gegenüber ihm vermitteln will. Er ist emotional unbeteiligt und distanziert. Der Sprechende kann zu dem Fehlschluss kommen, dass ihm ernsthaft zugehört wird.
  • Zuhören 
    Der Hörende signalisiert seinem Gesprächspartner, dass es im Moment nichts Wichtigeres gibt, als seinem Gegenüber zuzuhören. Er reflektiert das Gesagte und paraphrasiert um ihm zu vermitteln, dass er ihm seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Dabei achtet er nicht nur auf die Inhalte, sondern auch die Stimmung seines Gegenübers und lässt sich voll und ganz auf ihn ein.

Das Reden - eine Kunst?

Den Begriff der Rhetorik gab’s schon im alten Griechenland. Dort bedeutete er so viel wie “Redekunst” oder “Kunst der Beredsamkeit”. Aber ist diese Kunst mit Seminaren und Fortbildungen erlernbar oder hat man diese Kunst im Blut? Und ist es möglich, das Überzeugen von Personen zu erlernen? Wann gelingt es mir, dass meine Hörer auch wirklich zuhören?


Snapshot-Moderatorin Nadine Jäger und Sprecherzieherin Anne Rosenberger

Da Rhetorik natürlich nicht nur Theorie, sondern vor allem Praxis ist, haben wir versucht, diese Fragen im Dialog zu klären. Anne hat uns in Snapshot #7 einiges zum Thema Rhetorik im Büroalltag erzählt.
Außerdem erfahren Sie, was Sie gegen Lampenfieber tun können und wie Sie auch in schwierigen Gesprächen ganz selbstsicher auftreten können. ...damit in den Ohren ihrer Zuhörer und Gesprächspartner in Zukunft nicht mehr nur das große “Blabla” ankommt, sondern die Inhalte, die Sie wirklich vermitteln wollen!


04:09 Was ist „Rhetorik“ eigentlich?
06:38 Sprechausdruck weiblicher Offiziere bei der Bundeswehr
13:11 Welche Rolle spielt die Rhetorik im Berufsalltag?
15:17 Die nonverbale Kommunikation: Wichtiger, als man denkt
16:55 Rhetorische „Stolperfallen“ und die schwarze Rhetorik
20:05 Bedürfnisse des Gesprächspartners achten: Was gibt mein Gegenüber mir?
21:00 Der Brüllaffe: Laut, aber nicht zielführend (...und wer sonst noch im Meeting sitzt)
24:16 Wann erwischt man den richtigen Ton?
29:13 Rhetorik allein ist nur die halbe Wahrheit
30:14 Was ist wichtiger: Inhalt oder Rhetorik?
33:10 Unsicherheit und Angst: Was kann ich vor wichtigen Gesprächen tun?
38:30 Konflikte ansprechen: Ab auf die Metaebene
39:58 Reden vor großen Gruppen: Hallo Lampenfieber!
42:20 Redekunst: Reine Übung oder Begabung?
46:48 Wann wird sprechen „ungesund“?
55:33 „Ungesunde“ Künstlerstimmen – schön aber ungesund


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