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Südamerika zeigt Geschlossenheit

Auf den Konferenzen LACNIC und LACTLD stellen sich die Teilnehmer hinter die Idee einer unabhängigen und gleichberechtigten Netzverwaltung. Dafür sollen möglichst schnell Handlungsempfehlungen erarbeitet werden. Am Ende des Treffens stehen drei zentrale Forderungen.


Um nicht weniger als die Zukunft des Internets sollte es gehen. Um Sicherheit, Transparenz und Teilhabe ? aus technischer und organisatorischer Sicht. Bei den Treffen der LACNIC (Latin America & Caribbean Network Information Centre) und der LACTLD (Latin American and Caribbean TLD Association) sind Internet-Experten, vorwiegend aus Lateinamerika, zusammengekommen, um Ideen für eine Netzverwaltung nach dem Multi-Stakeholder-Ansatz weiterzuentwickeln. Ein wichtigtes Thema der Konferenz war die Ankündigung der US-Regierung, die Kontrolle über die IANA (Internet Assigned Numbers Authority) und damit über die Rootserver des Internets abzugeben. Seit dieser Schritt bekannt wurde, arbeiten verschiedene Gruppen daran, ein neues System für die Netzverwaltung zu schaffen. Allen voran der CEO der Internet Corporations of Assigned Names and Numbers (ICANN), Fadi Chehadé. Für Chehadé liegt der Schlüssel in einem Multi-Stakeholder-Ansatz: Verschiedene Interessensgruppen bringen sich in Entscheidungsprozesse ein, die Entscheidung fällt am Ende ein Gremium mit Experten aus verschiedenen Fachrichtungen.

Brasilien in der Kritik

Die Bekanntmachung der US-Regierung ist vor allen von den Organisationen, die sich für eine unabhängige Internetverwaltung einsetzen, mit Begeisterung aufgenommen worden. Jari Arkko von der IETF (Internet Engineering Task Force) prophezeite in Cancun, die Menschen würden in zehn oder 20 Jahren auf diesen Schritt zurückblicken und froh sein, dass er gegangen wurde. Seit der Entscheidung bringen sich aber auch die verschiedenen Interessensvertreter in Stellung. Auf dem ICANN-Meeting in Peking Anfang April und wenige Woche später auf der NETmundial in São Paulo haben sich die verschiedenen Lager teilweise hitzige Debatten geliefert. Vor allem an der Frage, wer welches Mitspracherecht erhalten soll, scheiden sich die Geister. Im Umfeld der NETmundial war auch das Ausrichterland Brasilien in die Kritik geraten. Die Regierung übe zu großen Einfluss auf die Konferenz aus, lautete der Vorwurf. Auf dem Treffen der LACNIC in Mexiko nutzte Jandyr Santos vom brasilianischen Außenministerium die Bühne, um die Anschuldigungen zurückzuweisen. Die NETmundial sei keine Veranstaltung der brasilianischen Regierung gewesen, sagte Santos.

Kontroverse um das Thema "Überwachung"

In Cancun herrschte grundsätzlich eher ein moderater Ton. Auch, weil hier Besucher mit homogenen Interessen zusammensaßen. In den Panels würdigten die Sprecher vor allem die Ergebnisse der NETmundial. Es sei entscheidend gewesen, dass jeder Sektor ein eigens Mikrofon gehabt habe, sagte Rodrigo de la Parra, Vizepräsident von ICANN Lateinamerika und Karibik. So habe jeder gleichermaßen sprechen dürfen. Das Internet, forderte er, müsse alle Nutzer auf der Welt einschließen. Als "historisch" bezeichnete LACNIC-CEO Raúl Echeberría die NETmundial. Die vielen verschiedenen Standpunkte zusammenzufassen, nannte Echeberría eine Herausforderung. Vor allem das Thema "Überwachung" sei sehr kontrovers diskutiert worden. Die Ergebnisse dieser Arbeit wird der LACNIC-Chef aber vermutlich nur noch aus der Ferne beobachten: Zum Juni 2014 gibt Echeberría seinen Posten ab. Die NETmundial habe gezeigt, worauf es jetzt ankomme, sagte Demi Getschko, Mitglied des Brasilianischen Internetkomitees CGI und Professor der PUC Universität in São Paulo. Nämlich Prinzipien für Internet Governance zu definieren und einen Fahrplan für die zukünftige Entwicklung der Netzverwaltung zu erstellen. Elise Gerich von der IANA rief die Community dazu auf, sich auch über Online-Kommentare rege an diesem Prozess zu beteiligen. Gerich bemühte sich außerdem, Sorgen an der Stabilität der IANA während der Übergangsphase zu zerstreuen. Die IANA werde wie gewohnt weiter arbeiten, betonte Gerich ? auch während der Transition. Ernesto Majó von LACNIC sicherte für diese Zeit die volle Unterstützung seiner Organisation zu. LACNIC wolle dazu beitragen, die Transition problemlos abzuwickeln.

Mehr Transparenz, weniger Bürokratie

In einem Dokument, das während der LACTLD entworfen wurden, setzen sich die Teilnehmer unter anderem für Mehrsprachigkeit ein ? bisher sind alle Prozesse auf Englisch ? und forderten mehr Transparenz und weniger Bürokratie. LACNIC und LACTLD haben sich auf ihrem Treffen endgültig als Interessensvertreter für Lateinamerika positioniert. Und deutlich gemacht, dass sie und die Region bei den Entscheidungsprozessen der angehenden Veränderungen teilhaben wollen. Nach LACNIC-Angaben kümmern sich inzwischen 38 Festangestellte um die Belange der insgesamt 3633 Mitglieder. Die Organisation sieht es auch als ihre Aufgabe, die Verbreitung des Internets und das technische Wissen über seine Nutzung in den eigenen Gebieten voranzutreiben. Zusätzlich zu dem Fonds für digitale Innovationen in Lateinamerika und der Karibik (FRIDA) stellte LACNIC in Cancun die Lernplattform campus.lacnic.net vor. Dort sollen künftig Lerninhalte zu IPv6 und Certiv6 bereitgestellt werden.

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