04.12.2017

Warum Markenreputation in der Browserleiste beginnt - Vol. 2

Kondomfail: Hier stand die Sicherheit wohl nicht an erster Stelle. Wenn schon die Seite nicht sicher ist, wie soll der Kunde dann dem Produkt vertrauen?


Es gibt Branchen, in denen die Sicherheit der Verbraucher und Kunden den Kern des gesamten Geschäftsmodells bildet. Egal ob Sicherheitsdienste, Anbieter von Überwachungskameras, Smart-Home-Entwickler, IT-Spezialisten oder pharmazeutische Betriebe: Sie alle profitieren vom Verlangen der Konsumenten nach Schutz und Sicherheit. Ein weiteres Beispiel hierfür sind die Anbieter von Verhütungsmitteln: Deren Markenbotschaft beinhaltet nicht nur die Verheißung auf optimales Erotik-Vergnügen, sondern zielt ganz klar auch auf einen hochsicheren Schutz vor sexuell übertragbaren Krankheiten oder einer ungewollten Schwangerschaft ab.

 

Wer mit Safer Sex wirbt, kann mit unsicheren Webseiten nicht punkten

Informieren sich Verbraucher über die Produkte oder wollen sie diese direkt auf der Seite des Herstellers beziehen, ist es für die Glaubwürdigkeit der Marke unerlässlich, den versprochenen Schutz auf alle erdenklichen Bereiche zu übertragen. Nur so kann das erwünschte Marketing-Ziel auch tatsächlich erreicht werden. Dies gilt jedoch nicht nur für die Werbung oder das Produkt an sich, sondern eben auch für den Online-Auftritt. Denkt man an die Webseite des größten Kondomherstellers weltweit, hat man vielleicht ansprechende, sinnliche Bilder, vertrauenserweckende Aussagen und Claims vor Augen. Was unsere Redaktion vor einigen Wochen vorfand, hatte jedoch vor allem mit Sicherheit nichts zu tun.


Screenshots vom 16.11.2017

Anstatt Informationen zu Produkten, der Herstellung und zum Unternehmen an sich, wurde der Konsument vor einiger Zeit mit einem Warnhinweis konfrontiert, der die Webseite des Kondomherstellers „durex“ als nicht sicher einstufte. Genau jene Firma, deren Produkte dem Konsumenten einen umfassenden Schutz bieten soll, konnte nicht einmal die eigene Unternehmensseite ordnungsgemäß geschützt. Wenn schon das nicht funktioniert, was sagt das über die Qualität des Produkts aus? Aus Sicht von Marketing-Experten ein echter Fauxpas.

 

Wie kleine Unternehmen den großen Playern den Rang ablaufen können

Dabei könnte alles so einfach sein. SSL-Zertifikate gibt es seit der Sicherheitsoffensive “LetsEncrypt” von Symantec bereits als kostenfreien Varianten für kleinere Anwendungen und enden bei Vollschutzlösungen für große Unternehmenskunden. Dank Tools wie Proceed können diese mittlerweile sogar mit wenigen Klicks einfach und sicher eingebettet werden - und zwar ohne dafür Informatik studiert haben zu müssen. 
Die sich mit der Methodik der Ranking-Faktoren befassende Studie des Suchmaschinen-Toolanbieter SEMrush, gibt jährlich Auskunft über die wichtigsten Ranking-Faktoren für Webseiten. In diesem Jahr zeigt sie auf, dass die SSL-Verschlüsslung immer weiter an Relevanz gewinnt und bereits 65% der Domains mit high-volume Keywords ein Zertifikat im Einsatz haben.

Besucht man die Seite des Kondomstartups „Einhorn Kondome“, die durch die Startup-Pitching Show „Die Höhle der Löwen“ bekannt wurden, fällt sofort auf, dass die Seite ordnungsgemäß geschützt und verschlüsselt ist. Hier ist also alles sicher – so wie es sich der Kunde wünscht. Und ja: ein SSL-Zertifikat mag vielleicht die Entscheidung über den Kauf eines Kondoms nicht bei allen Verbrauchern beeinflussen, es ist aber dennoch ein wichtiges Puzzlestück im Gesamtbild der Wahrnehmung einer Marke. Also besser „safety first“ als „no risk, no fun!” – lieber Vorsicht als Nachsicht.

Junge und agile Start-ups können auf diese Art und Weise Stück für Stück den alteingesessenen und unbelehrbaren Unternehmen den Rang ablaufen. Pannen, die bei Kondomen branchenbedingt noch vergleichsweise witzig wirken, können in anderen Bereichen nicht für Schmunzeln sorgen. Oder würden Sie einen Wachschutz beauftragen, der nicht einmal seine eigene Seite vor Angriffen schützen kann?

 

Ein Aufruf für die abteilungsübergreifende Kommunikation

Was lernen wir daraus? Vermeintlich rein technische Abläufe wie Domain, Server und SSL-Zertifikat können durchaus Einfluss auf die Wahrnehmung und Reputation einer Marke haben. Das harmonische Zusammenspiel zwischen Marketing-, Vertriebs- und IT-Abteilung ist wichtiger denn je: Zwischen Verantwortlichen, Abteilungsleitern und letztendlich den Mitarbeitern sollte mehr kommuniziert werden, um gemeinsam das Produkt perfekt zu vermarkten.

In Teil 1 unserer Artikel-Serie erfahren Sie, warum der Sicherheitscheck des Fluggiganten „Lufthansa“ bereits in der Browserleiste beginnen sollte!


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